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Jassen lernen: Tipps und Geschichten von Jasskursleiter Thomas Bucher

Thomas Jass-Kurs Leiter im Interview mit dem Jassverzeichnis.ch
18.08.2026Schweizer Jassverzeichnis

Jassen lernte Thomas Bucher dort, wo wohl viele Schweizer ihre ersten Karten in der Hand hielten: am Küchentisch bei seiner Grossmutter. Heute gibt er seine Begeisterung als Kurs- und Turnierleiter an andere weiter. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was einen guten Jasser ausmacht, warum praktisch alle das Spiel lernen können und weshalb Jassen gerade in einer zunehmend digitalen Welt nichts von seinem Reiz verloren hat.

Wie bist du selber zum Jassen gekommen?
Meine Grossmutter hat mir das Jassen am Küchentisch während des abendlichen Nickerchens meines Grossvaters gelernt. Das war ein Zweierjass mit Bodentrumpf.

Erinnerst du dich noch an deine erste Jassrunde?
Irgendwann in der Oberstufenzeit in Hallwil haben wir damit begonnen, am Mittwochnachmittag mit Schulfreunden einen Schieber zu jassen. Mit dabei war damals auch ein gebürtiger Albaner, der das Spiel rassig gelernt hat.

Was hat dich dazu motiviert, Jasskurse zu leiten?
Ich finde, dass alle Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz jassen können sollten, vor allem die jungen Generationen unter 40. Das ist mein hehres Ziel. Jassen ist ein einfach erlernbares Spiel und ein potenziell bindendes Element über Kulturgrenzen hinweg, das zudem typisch schweizerisch ist, und jeder und jede kann es lernen. Eine weitere Motivation, Kurse zu geben, ist für mich ist das Motto «Weg von Handy, ran an die Karten»:

Welche Fehler machen Einsteiger am häufigsten?
Dem Partner hohe Karten zu früh im Spiel zuzuspielen, um dem Partner einen Gefallen zu tun. Ich erkläre dann, dass man Asse oder Könige für später noch braucht, wenn man selber am Zug ist. Etwas später passiert dann das Gegenteil: Hohe Karten, wie der Trumpf-Bauer, werden oftmals zu lange nicht gespielt.

Kann wirklich jede und jeder jassen lernen?
Grundsätzlich: ja. Ich habe etwa schon in einer betreuten Wohngruppe mit geistig Beeinträchtigten erfolgreich einen Anfänger-Jasskurs durchgeführt. Lernwille ist sicher das Entscheidende, auch wenn einige länger brauchen als andere, um das Spiel zu begreifen. Deutsche, die bereits Skat spielen, können nach einem Kurs so viel wie komplette Anfänger nach zwei.

Welche Jass-Variante empfiehlst du jemandem, der gerade erst anfängt?
Ich würde mal mit dem Obenabe beginnen, um den Mechanismus vom «Anziehen der starken Farbe» zu trainieren. Mit wie vielen Spielern und ob einzeln oder im Team, spielt dabei keine Rolle.

Was macht für dich den Reiz am Jassen aus?
Ein grundsätzlicher Reiz des Jassens liegt darin, dass man sich mit guten Freunden trifft und eine tolle Zeit hat, bei der sich oft emotionale und spielerische Highlights aneinanderreihen, es geht drunter und drüber – im positiven Sinne. Das Spannende am Spiel selbst ist für mich, dass es aufgrund der Millionen Kombinationen beim Kartenverteilen nie zwei gleiche Runden gibt: Jedes Spiel ist anders, und man lernt immer wieder etwas dazu, was man nächstes Mal anders machen würde. Weiter reizt gerade die Einfachheit: Es braucht zum Jassen nichts als 36 Karten und Schreibzeug – die Regeln sind anfangs etwas verwirrend, doch bald wird klar, dass das Spielprinzip bei den meisten Jassvarianten sehr ähnlich ist, und man lernt eine neue Variante im Handumdrehen.

Geht es beim Jassen mehr um Strategie, Erfahrung oder auch ein bisschen Glück?
Es ist eine Mischung aus all diesen Elementen. Wer mehr Erfahrung hat, kennt mehr Strategien und kann seine Taktik während des Spiels nach jedem Stich wieder leicht justieren. Doch am Ende ist das Glück entscheidend für Sieg oder Niederlage, sofern man mindestens die Grundmechanismen des Jassens kennt. Man kann statistisch gesehen perfekt jassen, und trotzdem mag ein mittelmässiger Jasser mit guten Karten ein Turnier haushoch gewinnen.

Welche Tipps gibst du Anfängern, damit sie schnell Fortschritte machen?
Am Anfang heisst es: üben, üben, üben, um das Gelernte in möglichst vielen Situationen anzuwenden. Ich habe selbst viel online gespielt gegen den Computer, einfach nur, um in Übung zu bleiben. Ausserdem empfehle ich, sich aktiv nach jeder Runde Feedback einzuholen und sich helfen zu lassen. Nur so kommt man voran und ist ein beliebter Spieler, weil man sich bemüht und kontinuierlich verbessert.

Gibt es ein besonderes Erlebnis aus einem deiner Kurse, das dir in Erinnerung geblieben ist?
Ich habe mal für eine Firma im Luzernischen einen Jasskurs durchgeführt. Am Anfang lasse ich oftmals mit offenen Karten spielen. Die Spieler, Anfänger wohlgemerkt, waren ab der ersten Minute jedoch derart ehrgeizig, dass sie sich von niemandem in die Karten blicken liessen.

Theorie gehört dazu: Thomas Bucher erklärt die Schieber-Regeln.

Wie hat sich das Interesse am Jassen in den letzten Jahren verändert?
Ich habe den Eindruck, dass durch ein breites Angebot an Plauschturnieren, zum Beispiel dem Partnerschieber, das Jassen wieder sichtbarer wird, nachdem es ab den 70er-Jahren sich schleichend zusammen mit dem Stammtisch aus der Beizenwelt und somit dem öffentlichen Leben verabschiedet hat. Es gibt inzwischen in Städten wie Zürich Plauschturniere, die über 3 bis 4 Monate hinweg ausverkauft sind. Statistiken zur Anzahl der aktiv Jassenden in der Schweiz sind mir leider nicht bekannt, doch prozentual ging der Anteil Jassender wohl zurück, man denke an die rund 3 Millionen Migrantinnen und Migranten in der Schweiz, die meist ohne dieses Kartenspiel aufgewachsen sind. Und zuhause das Spiel zu lernen, ist immer noch der Hauptgarant dafür, dass man sich das Jassen später zum Hobby macht.

Was können junge Menschen vom Jassen lernen?
Unsere Gesellschaft, und gerade die mit dem Handy teils sozialisierte Generation, könnte sehr davon profitieren, wenn wieder mehr gejasst statt auf den Bildschirm gestarrt würde. Für mich ist jassen etwas vom Sozialsten, was es gibt. Neben dem Spielerischen lernt man seine Freunde zu lesen und von einer ungewohnten Seite kennen – und lernt zu verlieren.

Warum lohnt es sich, heute noch mit dem Jassen anzufangen?
Mein Motto: lieber heute als morgen. Aber im Ernst: Es gibt zig Gründe, um sich das Jassen beizubringen. Ein Spiel, dass Millionen Anhänger in der Schweiz hat und für das man nichts braucht als 36 Karten – was gibt es Genialeres? Und jetzt vor den Sommerferien eine super Gelegenheit, um mit der Familie oder mit Freunden im Garten, am Strand oder auf dem Campingplatz zu einem gemütlichen Spieleabend zu treffen und die digitalen Begleiter mal auszuschalten, trotz Fussball-WM.

Was macht einen guten Jasspartner aus?
Aufmerksam sein, lernen, lachen, verzeihen. Etwa so würde ich es umschreiben. Ein guter Jasspartner ist voll und ganz dabei, lernt aus seinen Fehlern und ist offen für Kritik und Neues. Ein Jasspartner soll auch ein motivierter Unterhalter sein und einem den einen oder anderen «Bock», im Sinn eines Fehlers verzeihen können. Am Ende ist Jassen ein Spiel wie jedes andere auch, das unheimlich Freude bereitet.

Lust bekommen, selbst wieder einmal die Karten in die Hand zu nehmen? Thomas Bucher bietet Jasskurse für unterschiedliche Erfahrungsstufen an – vom Einstieg bis zum Fortgeschrittenenkurs. Melden sie sich mit untenstehendem Kontaktformular.

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