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JassCardEye: Diese App erkennt Jasskarten mit künstlicher Intelligenz

30.09.2026Schweizer Jassverzeichnis

Karten fotografieren, erkennen lassen und Punkte berechnen: Die App JassCardEye nutzt künstliche Intelligenz, um das Zählen beim Jassen zu vereinfachen. Wir haben beim Entwickler nachgefragt, wie zuverlässig die Erkennung bereits funktioniert, wo die Grenzen liegen und was als Nächstes geplant ist.

Wer schon einmal einen intensiven Jassabend erlebt hat, kennt die Situation: Die Karten liegen auf dem Tisch, der Stich ist gemacht und nun beginnt das Zusammenzählen. Bei einfachen Spielen ist das schnell erledigt. Bei vielen Karten, unterschiedlichen Werten und mehreren Stichen kann das Punktzählen, vorallem für ungeübte Jasser und Jasserinnen, aber durchaus Zeit beanspruchen.

Genau hier setzt JassCardEye an. Die App erkennt Jasskarten mit der Smartphone-Kamera und kann daraus die Punkte berechnen.

Entstanden ist die Anwendung im Rahmen einer Transferarbeit für das CAS Machine Learning an der Hochschule Luzern (HSLU). Raphael Bolliger untersuchte dabei verschiedene Ansätze zur Bilderkennung und wählte Jasskarten als konkreten Anwendungsfall.

Die ursprüngliche Abschlussarbeit ist inzwischen abgeschlossen. Die App soll jedoch weiterentwickelt werden.

So funktioniert die Kartenerkennung

Die Grundidee ist einfach: Die Kamera des Smartphones erfasst die Karten, die künstliche Intelligenz versucht deren Werte und Farben zu erkennen und die App stellt daraus die erkannten Karten zusammen.

Unter guten Bedingungen funktioniert das laut Entwickler bereits nahezu fehlerfrei.

Ganz beliebig können die Karten allerdings noch nicht auf dem Tisch liegen. Aktuell sollte möglichst nur die oberste Karte eines Kartenhaufens vollständig sichtbar sein. Wird eine Karte nicht erkannt, lässt sie sich normalerweise durch eine leichte Neupositionierung nochmals erfassen.

Interessanter – und problematischer – sind falsche Erkennungen. Erkennt die App eine Karte als eine andere Karte, kann dies zunächst unbemerkt bleiben. Wird anschliessend automatisch gerechnet, wirkt sich ein solcher Fehler direkt auf das Ergebnis aus.

Französisch oder Deutschschweizerisch spielt keine entscheidende Rolle

JassCardEye wurde sowohl mit französischen als auch mit deutschschweizerischen Jasskarten trainiert.

Die beiden Kartenvarianten funktionieren grundsätzlich vergleichbar gut. Entscheidend ist weniger die Kartenart als vielmehr das konkrete Design. Wer ein Kartenset verwendet, das sich optisch stark von den Trainingsdaten unterscheidet, muss mit einer schlechteren Erkennungsqualität rechnen.

Das ist eine typische Herausforderung bei Bilderkennung: Ein Modell kann die Karten, mit denen es trainiert wurde, sehr gut erkennen, reagiert aber unter Umständen empfindlicher auf bisher unbekannte Varianten.

5 Franken für die automatische Punktberechnung

JassCardEye lässt sich zunächst kostenlos ausprobieren. Die kostenlose Version zeigt an, welche Karten erkannt wurden. Wer zusätzlich die automatische Punktberechnung nutzen möchte, kann diese Funktion für 5 Franken einmalig per In-App-Kauf freischalten.

Das hat einen praktischen Vorteil: Vor dem Kauf kann man mit dem eigenen Kartenset ausprobieren, wie zuverlässig die Erkennung funktioniert.

Wie viel bringt die App beim echten Jass?

Der grösste Vorteil liegt für den Entwickler in der Geschwindigkeit. Wer beim Kopfrechnen nicht besonders schnell ist oder das Zusammenzählen der Karten als lästig empfindet, kann die Arbeit an die App abgeben.

In unserem eigenen Test zeigte sich allerdings auch: Ein geübter Jasser dürfte die Punkte von Hand noch schneller zusammenzählen. Für die App muss das Smartphone zunächst in die richtige Position gebracht und gehalten werden. Zudem müssen die Karten so hingelegt werden, dass die Kamera sie möglichst zuverlässig erkennen kann. Der Zeitgewinn ist deshalb nicht in jeder Situation gegeben.

Auch Entwickler Raphael Bolliger hat den Zeitgewinn noch abschliessend getestet: „Wie gross der praktische Vorteil, während eines kompletten Jassabends tatsächlich ist, konnte ich bisher allerdings noch nicht ausführlich testen, da mir dafür während der Abschlussarbeit die Zeit gefehlt hat.“

Einen anderen Vorteil erkennen wir für die automatische Erfassung trozdem: Beim Ergebnis gibt es weniger Raum für Diskussionen. Wenn die Karten von der App erkannt und die Punkte daraus berechnet werden, kann niemand dem anderen vorwerfen, beim Zählen absichtlich oder versehentlich falsch gerechnet zu haben.

Die App ist daher gemäss Bolliger vor allem als praktisches Hilfsmittel und technisches Gadget zu verstehen und noch nicht als vollständig ausgereifte digitale Jasstafel.

App JassCardEye: Links die Einstellungen zum zählen, in der Mitte die Ansicht beim zählen und am Schluss (rechts) wird das Ergebnis angezeigt
App JassCardEye: Links die Einstellungen zum zählen, in der Mitte die Ansicht beim zählen und am Schluss (rechts) wird das Ergebnis angezeigt

Wo die App noch an ihre Grenzen kommt

Die wichtigsten Einschränkungen liegen derzeit bei den Aufnahmebedingungen und den sogenannten Fehlerkennungen.

Probleme können insbesondere auftreten bei:

  • mehreren gleichzeitig vollständig sichtbaren Karten
  • schlechten Lichtverhältnissen
  • sehr flachen Kamerawinkeln
  • Kartensets mit stark abweichendem Design

Für Jasser bedeutet das: Das Ergebnis sollte momentan noch kontrolliert werden. Eine falsch erkannte Karte kann schliesslich auch zu einer falschen Punktzahl führen.

Eine nicht erkannte Karte ist dagegen weniger kritisch. Sie fällt in der Regel auf und kann nochmals fotografiert beziehungsweise anders positioniert werden.

Interessanter Ansatz mit noch Luft nach oben

JassCardEye verbindet eine klassische Jassaufgabe mit moderner Bilderkennung. Die Kartenerkennung funktioniert unter guten Bedingungen bereits sehr zuverlässig. Gleichzeitig zeigt sich, dass unterschiedliche Lichtverhältnisse, Kamerawinkel, mehrere sichtbare Karten und abweichende Kartendesigns die Erkennung noch vor Herausforderungen stellen.

Für Jasser ist deshalb vor allem interessant, wie sich die App in der Praxis mit dem eigenen Kartenset schlägt. Genau das lässt sich kostenlos ausprobieren, bevor die automatische Punktberechnung für CHF 5.– freigeschaltet wird.

Die weitere Entwicklung dürfte insbesondere bei der Zuverlässigkeit und bei der geplanten digitalen Jasstafel spannend werden.

JassCardEye im App Store

Die App ist für iPhone und iPad im Schweizer App Store verfügbar: JassCardEye im App Store

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